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Zahlreiche Märchen, Sagen und Legenden sind hier im "Märchenland Reinhardswald" zuhause.

Märchenstunde

Zwischen Weser, Diemel, Esse und Fulda erstreckt sich der sagenumwobene Reinhardswald.
Vor ungefähr 700 Jahren wurde hier Korn angebaut, als die Getreidepreise noch sehr hoch waren und die Leute aus den Taldörfern fortzogen, um im Wald Huteeichen zu schlagen und den Waldboden zu pflügen.
Zu eben dieser Zeit lebte dort der Graf Reinhard, dem alles Land und alle Dörfer zwischen Diemel und Weser gehörten.
Er war ein besessener Spieler, doch war das Glück selten auf seiner Seite, sondern meistens auf der seines Gegners, dem Bischof von Paderborn.
Als der Graf wieder einmal verloren hatte, schlug er ein letztes Spiel vor und setzte seine gesamte Grafschaft aufs Spiel.
Die Würfel fielen und er war ruiniert. So schnell gab sich Graf Reinhard jedoch nicht geschlagen. Voller List fragte er den Bischof, ob es ihm vergönnt sei, noch eine letzte Aussaat und Ernte auf seinem Boden vorzunehmen.
Der Bischof von Paderborn war damit einverstanden.
Aber was säte der Graf im Herbst? Nichts als Eicheln und Bucheckern.
Die Dörfer ließ er niederbrennen und die alten Hofstätten dem Erdboden gleichmachen.
Im Frühjahr reckten sich die jungen Bäumchen und es grünte talauf und talabwärts. Als der Bischof im Herbst wiederkam, um seinen Besitz anzutreten, führte ihn der listige Graf hinaus in die Flur.
„Ihr seht ja, Herr Bischof, meine Ernte ist noch nicht soweit, Ihr müsst Euch noch etwas gedulden“.
Bischof und Graf sind wohl darüber gestorben, denn immer noch rauschen die Eichen und Buchen im Reinhardswald.

Zwischen den Orten Bad Karlshafen und Helmarshausen liegt die Krukenburg, die zum Schutz des ehemaligen Benediktinerklosters errichtet wurde.
Der Sage nach wohnte hier der Riese Kruko mit seinen drei Töchtern Brama, Saba und Trendula. Nachdem der Vater verstorben war hatten Brama und Saba den christlichen Glauben angenommen, der sich im Diemeltal schnell ausbreitete, während Trendula den alten heidnischen Göttern treu blieb.
So kam es, dass Trendula ihre beiden Schwestern verfolgte und ihnen das Leben erschwerte.
Besonders Brama hatte hierunter schwer zu leiden und erblindete vom vielen Weinen. Sie beschloss des Vaters Burg zu verlassen und baute auf dem anderen Weserufer die Bramburg.
Nun richtete sich der ganze Hass der heidnischen Schwester gegen Saba, sodass diese ebenfalls die Krukenburg verließ und im Reinhardswald die Sababurg errichtete.
Von hier aus besuchte sie ihre arme und blinde Schwester Brama. Wenn sich am Abend dichter Nebel in die Täler der Diemel und der Weser legte, verließ sie die Sababurg und eilte mit mächtigen Schritte zur Bramburg.
Hier blieb sie bis die ersten Sonnenstrahlen über den Höhen des Reinhardswaldes erschienen und machte sich erst dann auf den Heimweg.
Trendula aber hatte von den nächtlichen Besuchen gehört und beschloss ihre Schwester zu töten. Als Saba wieder einmal ihre Schwester besucht hatte und auf dem Heimweg in der Nähe der
Krukenburg vorbeikam, fiel Trendula über sie her und erwürgte sie. Der Ort des Geschehens wird noch heute „Mordkammer“ genannt.
Nach diesem schrecklichen Ereignis wollte auch Trendula nicht mehr auf der Krukenburg bleiben. Sie verließ ihre Heimat und erbaute sich 12 km flussaufwärts die Trendelburg. Aber auch dort setzte sie ihre bösen Taten fort und ließ für die Kinder Schuhe aus Brotteig herstellen, damit diese auf der Gottesgabe herumtreten sollten.
Lange sah sich der Christengott diesen Frevel nicht an. Er ließ ein Gewitter aufziehen, das sieben Tage und sieben Nächte andauerte. Die Leute in Trendelburg wussten keine Erklärung für dieses Unwetter und beschlossen durch ein Gottesurteil hinter das Geheimnis zu kommen.
Sie losten eine Person aus, die auf das freie Feld hinausgeführt wurde und allein ihrem Schicksal überlassen wurde.
Das Los traf Trendula.
Kurze Zeit später zuckte ein Blitz vom Himmel und verschlang die Gottlose. Dieser Blitz riss zwei tiefe Löcher in den Erdboden, die noch heute zu sehen sind und „Wolkenbrüche“ genannt werden.

Im Siebenjährigen Krieg lag einmal am Anhaltsberg in Liebenau ein französisches Heer. Die Braunschweiger hatten eine Stunde weiter bei Warburg ihr Lager aufgeschlagen. Nun lebte damals in Liebenau ein Mann, den nannten sie dort den Fiedler. Er ging oft in das französische Lager, spielte den französischen Soldaten zum Tanz auf und verdiente sich so ein paar Groschen mit seiner Friedel. 

Heimlich aber sah er sich sehr genau um und merkte sich, wieviel Soldaten der Feind hatte, wieviel Kanonen und wie das Lager befestigt war; und alles, was er ausgekundschaftet hatte, meldete er dem Herzog von Braunschweig.  Der machte daraufhin seinen Plan, überfiel das französische Lager, schlug die Feinde und machte große Beute. Der Fiedler aber bekam so reichen Lohn, dass seine Nachkommen, die in der Diemelgegend zerstreut wohnten, noch hundert Jahre danach als reiche Leute galten. Der französische General soll Anhalt geheißen haben, und davon der der Berg, an welchem das Treffen gewesen, den Namen Anhaltsberg bekommen.

Im Jahre 1400 war bei Fritzlar der Herzog von Braunschweig ermordet worden. Als Haupttäter galt alsbald Friedrich von Hertingshausen, zu jener Zeit Amtmann des Erzbischofs in der zu Mainz gehörenden Stadt Hofgeismar. Landgraf Hermann von Hessen und die Braunschweiger Herzöge versuchten zunächst vergebens, den Mörder im damals Mainzer Eichsfeld zu fassen. Im nächsten Jahr belagerten sie die Stadt Hofgeismar, in welche sich Friedrich von Hertingshausen geflüchtet hatte.

Man kann sich in unserer Zeit kaum vorstellen, wie entbehrungsreich das Leben in einer eingeschlossenen Stadt, aber auch wie schwierig die Versorgung des großen Hessischen und Braunschweigischen Heerhaufens vor der Stadt gewesen ist. Monate gingen ins Land. Der Stadt Hofgeismar wurde mancher Schaden zugefügt (Brände von Häusern, Zerstörung in der Feldflur und an den Mühlen der Stadt). Und genau hier beginnt die Sage vom Würfelturm – die Erklärung für das glückliche Ende der Belagerung. Da beide Seiten erkennen mussten, dass sie den Krieg nicht mit normalen Mitteln gewinnen konnten, wurden sich die Parteien einig, dass man würfeln sollte, und wer den besten Wurf täte, der sollte Sieger sein.

Und als nun die beiden (der eine aus dem Lager und der andere aus der Stadt) sich im Felde gegenüberstanden, tat der aus dem Lager den ersten Wurf und warf – 17!

Es gab großen Jubel bei den Belagerern, denn diese meinten, nun schon gewonnen zu haben. Über die 17 hinaus gab es ja bei drei Würfeln nur noch einen besseren Wurf und den konnte wohl keiner schaffen. Aber der wackere Vertreter der Stadt dachte: Bange machen gilt nicht! Er rüttelte und schüttelte den Würfelbecher und warf – 18! Die Stadt war gerettet und die Feinde mussten abziehen.

Es war einmal eine Salzfee, die lebte zwischen Reinhardswald und Solling, wo die Diemel in die Weser fließt. Sie war die Hüterin eines unterirdischen Salzsees. Die Kraft des Salzsees war so stark, dass man damit kranke und gebrechliche Menschen heilen konnte.
Die Salzfee war von gutem Wesen und begab sich jeden Tag an die Erdoberfläche, um sich ein Bild von den Menschen und den Kranken im Besonderen zu machen. Mit Hilfe ihres Haarreifs, der große Zauberkraft besaß, war sie für die Menschen unsichtbar,
aber sie bekam alles mit.
Traf sie auf Menschen, denen es sehr schlecht ging, benetzte sie ihnen die Stirn mit einem Tropfen aus dem Salzsee und sie schliefen ein. Die Salzfee nahm sie mit zu ihrem See. Nach einem ausgiebigen Bad wachte derjenige in seinem Bett wieder auf und war geheilt. Dies ging ungezählte Jahre so.
Eines Tages verlor die gute Salzfee ihren Zauberreif. Alles Suchen war vergebens. Jetzt konnte sie sich nicht mehr unsichtbar machen und mied die Erde und seine Menschen. Darüber war sie sehr traurig und weinte bittere Tränen. So verging Tag um Tag, Jahr
um Jahr, wo sie den Menschen nicht helfen konnte und das heilende Salzwasser in Vergessenheit geriet.
Eines Tages nach dem schon viel Wasser die Weser heruntergeflossen war, ging ein junger Mann, namens Jacques, am Weserufer spazieren. Er passte nicht auf,stolperte und fiel in ein tiefes Loch. Er fiel so tief, dass ihm die Sinne schwanden.
Als Jacques wieder zu sich kam, bemerkte er, dass er sich in einer dunklen Höhle befand. Bevor ihm darüber der Schreck in die Glieder fahren konnte, hörte er ein leises Schluchzen und ging diesem Geräusch nach. Nach nur kurzer Zeit sah er in der Ferne ein geheimnisvolles Glitzern, das ihn magisch anzog. Dieses Glitzern war das heilende Wasser des Salzsees.
Auf einem Stein sitzend fand er die weinende Salzfee. Sie erschrak sehr, doch sie merkte schnell, dass sie vor Jacques keine Angst haben musste. Sie fasste Zutrauen und klagte ihm ihr ganzes tiefes Leid. Erzählte ihm von dem unermesslich großen Salzsee mit seinen heilenden Kräften in ihrem Reich und dem Missgeschick mit dem Zauberreif.
Jacques hatte Mitleid mit der unglücklichen Salzfee und wollte nicht untätig sein. Er versprach ihr bei der Suche zu helfen. Sie schauten unter jeden Stein, in jeden Winkel und versuchten den vermissten Reif zu finden. Als sie schon aufgeben wollten und längst jede Hoffnung verloren hatten, entdeckte Jacques in einer tiefen Felsspalte ein Glitzern. Er versuchte nach dem funkelnden Ding zu greifen und siehe da, es war der magische Haarreif der Salzfee.
Die Salzfee konnte sich vor Freude kaum fassen und setzte den wieder gewonnenen Haarreif auf ihr Haupt. Sie schenkte ihm als Dank einen Brunnen mit dem heilenden Wasser des unterirdischen Salzsees und brachte ihn sicher auf die Erde zurück.

Jacques, der jetzt um das Geheimnis des Wassers wusste, zeigte den Menschen auf der Erde, wie man seine heilende Kraft verwenden konnte. Er lebte Jahr für Jahr in vollster Zufriedenheit und fand Erfüllung darin, den Menschen Gesundheit zu schenken. 

Die Salzfee war überglücklich, so dass sie sich jetzt wieder ab und zu auf der Erde aufhielt um zu schauen, wie Jacques den Menschen Gesundheit brachte. Sie war sehr zufrieden und freut sich noch heute über jede Heilung mit ihrem heilenden Salzseewasser.            

Ein König und eine Königin kriegten gar keine Kinder, und hätten so gern eins gehabt. Einmal saß die Königin im Bade, da kroch ein Krebs aus dem Wasser ans Land und sprach: „dein Wunsch wird bald erfüllt werden und du wirst eine Tochter zur Welt bringen.“ Das traf auch ein, und der König war so erfreut über die Geburt der Prinzessin, daß er ein großes Fest anstellen ließ, und dazu lud er auch die Feen ein, die im Lande waren, weil er nur zwölf goldene Teller hatte, konnte er eine nicht einladen: es waren ihrer nemlich dreizehen. Die Feen kamen zu dem Fest, und beschenkten das Kind am Ende desselben: die eine mit Tugend, die zweite mit Schönheit und so die andern mit allem, was nur auf der Welt herrlich und zu wünschen war, wie aber eben die elfte ihr Geschenk gesagt hatte, trat die dreizehnte herein, recht zornig, daß sie nicht war eingeladen worden und rief: „weil ihr mich nicht gebeten, so sage ich euch, daß eure Tochter in ihrem funfzehnten Jahre an einer Spindel sich stechen und todt hinfallen wird.“ Die Eltern erschracken, aber die zwölfte Fee hatte noch einen Wunsch zu thun, da sprach sie: „es soll aber kein Tod seyn, sie soll nur hundert Jahr in einen tiefen Schlaf fallen.“

Der König hoffte immer noch sein liebes Kind zu erretten, und ließ den Befehl ausgehen, daß alle Spindeln im ganzen Königreich sollten abgeschafft werden. Die Prinzessin aber wuchs heran, und war ein Wunder von Schönheit. Eines Tags, als sie ihr funfzehntes Jahr eben erreicht hatte, war der König und die Königin ausgegangen, und sie ganz allein im Schloß, da ging sie aller Orten herum nach ihrer Lust, endlich kam sie auch an einen alten Thurm. Eine enge Treppe führte dazu, und da sie neugierig war, stieg sie hinauf und gelangte zu einer kleinen Thüre, darin steckte ein gelber Schlüssel, den drehte sie um, da sprang die Thüre auf und sie war in einem kleinen Stübchen, darin saß eine alte Frau und spann ihren Flachs. Die alte Frau gefiel ihr wohl, und sie machte Scherz mit ihr und sagte, sie wollte auch einmal spinnen, und nahm ihr die Spindel aus der Hand. Kaum aber hatte sie die Spindel angerührt, so stach sie sich damit, und alsbald fiel sie nieder in einen tiefen Schlaf. In dem Augenblick kam der König mit dem ganzen Hofstaat zurück, und da fing alles an einzuschlafen, die Pferde in den Ställen, die Tauben auf dem Dach, die Hunde im Hof, die Fliegen an den Wänden, ja das Feuer, das auf dem Heerde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hörte auf zu brutzeln, und der Koch ließ den Küchenjungen los, den er an den Haaren ziehen wollte, und die Magd ließ das Huhn fallen, das sie rupfte und schlief, und um das ganze Schloß zog sich eine Dornhecke hoch und immer höher, so daß man gar nichts mehr davon sah.

Prinzen, die von dem schönen Dornröschen gehört hatten, kamen und wollten es befreien, aber sie konnten durch die Hecke nicht hindurch dringen, es war als hielten sich die Dornen fest wie an Händen zusammen, und sie blieben darin hängen und kamen jämmerlich um. So währte das lange, lange Jahre: da zog einmal ein Königssohn durch das Land, dem erzählte ein alter Mann davon, man glaube, daß hinter der Dornhecke ein Schloß stehe, und eine wunderschöne Prinzessin schlafe darin mit ihrem ganzen Hofstaat; sein Großvater habe ihm gesagt, daß sonst viele Prinzen gekommen wären und hätten hindurchdringen wollen, sie wären aber in den Dornen hängen geblieben und todtgestochen worden. „Das soll mich nicht schrecken, sagte der Königssohn, ich will durch die Hecke dringen und das schöne Dornröschen befreien;“ da ging er fort, und wie er zu der Dornhecke kam, waren es lauter Blumen, die thaten sich von einander, und er ging hindurch, und hinter ihm wurden es wieder Dornen. Da kam er ins Schloß, und in dem Hof lagen die Pferde und schliefen, und die bunten Jagdhunde, und auf dem Dach saßen die Tauben und hatten ihre Köpfchen in den Flügel gesteckt, und wie er hineinkam, schliefen die Fliegen an den Wänden, und das Feuer in der Küche, der Koch und die Magd, da ging er weiter, da lag der ganze Hofstaat und schlief, und noch weiter, der König und die Königin; und es war so still, daß einer seinen Athem hörte, da kam er endlich in den alten Thurm, da lag Dornröschen und schlief. Da war der Königssohn so erstaunt über ihre Schönheit, daß er sich bückte und sie küßte, und in dem Augenblick wachte sie auf, und der König und die Königin, und der ganze Hofstaat, und die Pferde und die Hunde, und die Tauben auf dem Dach, und die Fliegen an den Wänden, und das Feuer stand auf und flackerte und kochte das Essen fertig, und der Braten brutzelte fort, und der Koch gab dem Küchenjungen eine Ohrfeige, und die Magd rupfte das Huhn fertig. Da ward die Hochzeit von dem Königssohn  mit Dornröschen gefeiert, und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.

Es war einmal ein Mann und eine Frau, die hatten sich schon lange ein Kind gewünscht und nie eins bekommen, endlich aber ward die Frau guter Hoffnung. Diese Leute hatten in ihrem Hinterhaus ein kleines Fenster, daraus konnten sie in den Garten einer Fee sehen, der voll von Blumen und Kräutern stand, allerlei Art, keiner aber durfte es wagen, in den Garten hineinzugehen. Eines Tages stand die Frau an diesem Fenster und sah hinab, da erblickte sie wunderschöne Rapunzeln auf einem Beet und wurde so lüstern darnach, und wußte doch, daß sie keine davon bekommen konnte, daß sie ganz abfiel und elend wurde. Ihr Mann erschrack endlich und fragte nach der Ursache; „ach wenn ich keine von den Rapunzeln aus dem Garten hinter unserm Haus zu essen kriege, so muß ich sterben.“ Der Mann, welcher sie gar lieb hatte, dachte, es mag kosten was es will, so willst du ihr doch welche schaffen, stieg eines Abends über die hohe Mauer und stach in aller Eile eine Hand voll Rapunzeln aus, die er seiner Frau brachte. Die Frau machte sich sogleich Salat daraus, und aß sie in vollem Heißhunger auf. Sie hatten ihr aber so gut, so gut geschmeckt, daß sie den andern Tag noch dreimal soviel Lust bekam. Der Mann sah wohl, daß keine Ruh wäre, also stieg er noch einmal in den Garten, allein er erschrack gewaltig, als die Fee darin stand und ihn heftig schalt, daß er es wage in ihren Garten zu kommen und daraus zu stehlen. Er entschuldigte sich, so gut er konnte, mit der Schwangerschaft seiner Frau, und wie gefährlich es sey, ihr dann etwas abzuschlagen, endlich sprach die Fee: „ich will mich zufrieden geben und dir selbst gestatten Rapunzeln mitzunehmen, so viel du willst, wofern du mir das Kind geben wirst, womit deine Frau jetzo geht.“ In der Angst sagte der Mann alles zu, und als die Frau in Wochen kam, erschien die Fee sogleich, nannte das kleine Mädchen Rapunzel und nahm es mit sich fort.

Dieses Rapunzel wurde das schönste Kind unter der Sonne, wie es aber zwölf Jahr alt war, so schloß es die Fee in einen hohen hohen Thurm, der hatte weder Thür noch Treppe, nur bloß ganz oben war ein kleines Fensterchen. Wenn nun die Fee hinein wollte, so stand sie unten und rief:

„Rapunzel, Rapunzel!
laß mir dein Haar herunter.“

Rapunzel hatte aber prächtige Haare, fein wie gesponnen Gold, und wenn die Fee so rief, so band sie sie los, wickelte sie oben um einen Fensterhaken und dann fielen die Haare zwanzig Ellen tief hinunter und die Fee stieg daran hinauf.

Eines Tages kam nun ein junger Königssohn durch den Wald, wo der Thurm stand, sah das schöne Rapunzel oben am Fenster stehen und hörte sie mit so süßer Stimme singen, [41] daß er sich ganz in sie verliebte. Da aber keine Thüre im Thurm war und keine Leiter so hoch reichen konnte, so gerieth er in Verzweiflung, doch ging er alle Tage in den Wald hin, bis er einstmals die Fee kommen sah, die sprach:

„Rapunzel, Rapunzel!
laß dein Haar herunter.“

Darauf sah er wohl, auf welcher Leiter man in den Thurm kommen konnte. Er hatte sich aber die Worte wohl gemerkt, die man sprechen mußte, und des andern Tages, als es dunkel war, ging er an den Thurm und sprach hinauf:

Rapunzel, Rapunzel,
laß dein Haar herunter!

da ließ sie die Haare los, und wie sie unten waren, machte er sich daran fest und wurde hinaufgezogen.

Rapunzel erschrack nun anfangs, bald aber gefiel ihr der junge König so gut, daß sie mit ihm verabredete, er solle alle Tage kommen und hinaufgezogen werden. So lebten sie lustig und in Freuden eine geraume Zeit, und die Fee kam nicht dahinter, bis eines Tages das Rapunzel anfing und zu ihr sagte: „sag’ sie mir doch Frau Gothel, meine Kleiderchen werden mir so eng und wollen nicht mehr passen.“ Ach du gottloses Kind, sprach die Fee, was muß ich von dir hören, und sie merkte gleich, wie sie betrogen wäre, und war ganz aufgebracht. Da nahm sie die schönen Haare Rapunzels, schlug sie ein paar Mal um ihre linke Hand, griff eine Scheere mit der rechten und ritsch, ritsch, waren sie abgeschnitten. Darauf verwieß sie Rapunzel in eine Wüstenei, wo es ihr sehr kümmerlich erging und sie nach Verlauf einiger Zeit Zwillinge, einen Knaben und ein Mädchen gebar.

Denselben Tag aber, wo sie Rapunzel verstoßen hatte, machte die Fee Abends die abgeschnittenen Haare oben am Haken fest, und als der Königssohn kam:

Rapunzel, Rapunzel,
laß dein Haar herunter!

so ließ sie zwar die Haare nieder, allein wie erstaunte der Prinz, als er statt seines geliebten Rapunzels die Fee oben fand. „Weißt du was, sprach die erzürnte Fee, Rapunzel ist für dich Bösewicht auf immer verloren!“

Da wurde der Königssohn ganz verzweifelnd, und stürzte sich gleich den Thurm hinab, das Leben brachte er davon, aber die beiden Augen hatte er sich ausgefallen, traurig irrte er im Wald herum, aß nichts als Gras und Wurzeln, und that nichts als weinen. Einige Jahre nachher geräth er in jene Wüstenei, wo Rapunzel kümmerlich mit ihren Kindern lebte, ihre Stimme däuchte ihm so bekannt, in demselben Augenblick erkannte sie ihn auch und fällt ihm um den Hals. Zwei von ihren Thränen fallen in seine Augen, da werden sie wieder klar, und er kann damit sehen, wie sonst.

Es lebte einmal eine alte Königin, der war ihr Gemahl schon lange Jahre gestorben, und sie hatte eine schöne Tochter. Wie die erwuchs, wurde sie weit über Feld an einen Königssohn versprochen. Als nun die Zeit kam, wo sie vermählt werden sollte und nun das Kind in das fremde Reich abreisen mußte, packte ihr die Alte gar viel köstliches Gerät und Geschmeide ein, Gold und Silber, Becher und Kleinode, kurz alles, was nur zu einem königlichen Brautschatz gehörte, denn sie hatte ihr Kind von Herzen lieb. Auch gab sie ihr eine Kammerjungfer bei, welche mitreiten und die Braut in die Hände des Bräutigams überliefern sollte. Und jede bekam ein Pferd zur Reise, aber das Pferd der Königstochter hieß Falada und konnte sprechen. Wie nun die Abschiedsstunde da war, begab sich die alte Mutter in ihre Schlafkammer, nahm ein Messerlein und schnitt damit in ihre Finger, daß sie bluteten; darauf hielt sie ein weißes Läppchen unter und ließ drei Tropfen Blut hineinfallen, gab sie der Tochter und sprach: "Liebes Kind, verwahre sie wohl, sie werden dir unterwegs not tun."
Also nahmen beide voneinander betrübten Abschied. Das Läppchen steckte die Königstochter in ihren Busen vor sich, setzte sich aufs Pferd und zog nun fort zu ihrem Bräutigam. Da sie eine Stunde geritten waren, empfand sie heißen Durst und sprach zu ihrer Kammerjungfer: "Steig' ab und schöpfe mir mit meinem Becher, den du für mich mitgenommen hast, Wasser aus dem Bache, ich möchte gern einmal trinken." - "Wenn Ihr Durst habt," sprach die Kammerjungfer, "so steigt selber ab, legt Euch ans Wasser und trinkt, ich mag Eure Magd nicht sein." Da stieg die Königstochter vor großem Durst herunter, neigte sich über das Wasser im Bach und trank und durfte nicht aus dem goldenen Becher trinken. Da sprach sie: "Ach Gott!" Da antworteten die drei Blutstropfen: "Wenn das deine Mutter wüßte, das Herz im Leib tät ihr zerspringen." Aber die Königsbraut war demütig, sagte nichts und stieg wieder zu Pferde. So ritten sie etliche Meilen weiter fort, aber der Tag war warm, die Sonne stach, und sie durstete bald von neuem. Da sie nun an einen Wasserfluß kamen, rief sie noch einmal ihrer Kammerjungfer: "Steig' ab und gib mir aus meinem Goldbecher zu trinken," denn sie hatte alle bösen Worte längst vergessen. Die Kammerjungfer sprach aber noch hochmütiger: "Wollt Ihr trinken, so trinkt allein, ich mag nicht Eure Magd sein." Da stieg die Königstochter hernieder vor großem Durst, legte sich über das fließende Wasser, weinte und sprach: "Ach Gott!" und die Blutstropfen antworteten wiederum: "Wenn das deine Mutter wüßte, das Herz im Leibe tät ihr zerspringen." Und wie sie so trank und sich recht überlehnte, fiel ihr das Läppchen, worin die drei Tropfen waren, aus dem Busen und floß mit dem Wasser fort, ohne daß sie es in ihrer großen Angst merkte. Die Kammerjungfer hatte aber zugesehen und freute sich, daß sie Gewalt über die Braut bekäme; denn damit, daß diese die Blutstropfen verloren hatte, war sie schwach und machtlos geworden. Als sie nun wieder auf ihr Pferd steigen wollte, das da hieß Falada, sagte die Kammerfrau: "Auf Falada gehöre ich, und auf meinen Gaul gehörst du;" und das mußte sie sich gefallen lassen. Dann befahl ihr die Kammerfrau mit harten Worten, die königlichen Kleider auszuziehen und ihre schlechten anzulegen, und endlich mußte sie sich unter freiem Himmel verschwören, daß sie am königlichen Hof keinem Menschen etwas davon sprechen wollte; und wenn sie diesen Eid nicht abgelegt hätte, wäre sie auf der Stelle umgebracht worden. Aber Falada sah das alles an und nahm's wohl in acht.
Die Kammerfrau stieg nun auf Falada und die wahre Braut auf das schlechte Roß, und so zogen sie weiter, bis sie endlich in dem königlichen Schloß eintrafen. Da war große Freude über ihre Ankunft, und der Königssohn sprang ihnen entgegen, hob die Kammerfrau vom Pferde und meinte, sie wäre seine Gemahlin. Sie ward die Treppe hinaufgeführt, die wahre Königstochter aber mußte unten stehenbleiben. Da schaute der alte König am Fenster und sah sie im Hof halten und sah, wie sie fein war, zart und gar schön; ging alsbald hin ins königliche Gemach und fragte die Braut nach der, die sie bei sich hätte und da unten im Hof stände und wer sie wäre?
"Die hab ich mir unterwegs mitgenommen zur Gesellschaft; gebt der Magd was zu arbeiten, daß sie nicht müßig steht." Aber der alte König hatte keine Arbeit für sie und wußte nichts, als daß er sagte: "Da hab ich so einen kleinen Jungen, der hütet die Gänse, dem mag sie helfen." Der Junge hieß Kürdchen (Konrädchen), dem mußte die wahre Braut helfen Gänse hüten.
Bald aber sprach die falsche Braut zu dem jungen König: "Liebster Gemahl, ich bitte Euch, tut mir einen Gefallen!" Er antwortete: "Das will ich gerne tun." - "Nun, so laßt den Schinder rufen und da dem Pferde, worauf ich hergeritten bin, den Hals abhauen, weil es mich unterwegs geärgert hat." Eigentlich aber fürchtete sie, daß das Pferd sprechen möchte, wie sie mit der Königstochter umgegangen war. Nun war das so weit geraten, daß es geschehen und der treue Falada sterben sollte, da kam es auch der rechten Königstochter zu Ohr, und sie versprach dem Schinder heimlich ein Stück Geld, das sie ihm bezahlen wollte, wenn er ihr einen kleinen Dienst erwiese. In der Stadt war ein großes finsteres Tor, wo sie abends und morgens mit den Gänsen durch mußte, unter das finstere Tor möchte er dem Falada seinen Kopf hinnageln, daß sie ihn doch noch mehr als einmal sehen könnte. Also versprach das der Schindersknecht zu tun, hieb den Kopf ab und nagelte ihn unter das finstere Tor fest.
Des Morgens früh, da sie und Kürdchen unterm Tor hinaustrieben, sprach sie im Vorbeigehen:"O du Falada, da du hangest,"da antwortete der Kopf:"O du Jungfer Königin, da du gangest,
wenn das deine Mutter wüßte,
ihr Herz tät ihr zerspringen."Da zog sie still weiter zur Stadt hinaus, und sie trieben die Gänse aufs Feld. Und wenn sie auf der Wiese angekommen war, saß sie nieder und machte ihre Haare auf, die waren eitel Gold, und Kürdchen sah sie und freute sich, wie sie glänzten, und wollte ihr ein paar ausraufen. Da sprach sie:"Weh, weh, Windchen,
nimm Kürdchen sein Hütchen,
und lass'n sich mit jagen,
bis ich mich geflochten und geschnatzt
und wieder aufgesatzt."Und da kam ein so starker Wind, daß er dem Kürdchen sein Hütchen weg wehte über alle Land, und es mußte ihm nachlaufen. Bis er wiederkam, war sie mit dem Kämmen und Aufsetzen fertig, und er konnte keine Haare kriegen. Da ward Kürdchen bös und sprach nicht mit ihr; und so hüteten sie die Gänse, bis daß es Abend ward, dann gingen sie nach Haus.
Den andern Morgen, wie sie unter dem finstern Tor hinaustrieben, sprach die Jungfrau:"O du Falada, da du hangest,"Falada antwortete:"O du Jungfer Königin, da du gangest,
wenn das deine Mutter wüßte,
ihr Herz tät ihr zerspringen."Und in dem Feld setzte sie sich wieder auf die Wiese und fing an, ihr Haar auszukämmen, und Kürdchen lief und wollte danach greifen, da sprach sie schnell:"Weh, weh, Windchen,
nimm Kürdchen sein Hütchen,
und lass'n sich mit jagen,
bis ich mich geflochten und geschnatzt
und wieder aufgesatzt."Da wehte der Wind und wehte ihm das Hütchen vom Kopf weit weg, daß Kürdchen nachlaufen mußte, und als es wiederkam, hatte sie längst ihr Haar zurecht, und es konnte keins davon erwischen, und so hüteten sie die Gänse, bis es Abend ward.
Abends aber, nachdem sie heimgekommen waren, ging Kürdchen vor den alten König und sagte: "Mit dem Mädchen will ich nicht länger Gänse hüten!" - "Warum denn?" fragte der alte König. "Ei, das ärgert mich den ganzen Tag." Da befahl ihm der alte König zu erzählen, wie's ihm denn mit ihr ginge. Da sagte Kürdchen: "Morgens, wenn wir unter dem finstern Tor mit der Herde durchkommen, so ist da ein Gaulskopf an der Wand, zu dem redet sie:'Falada, da du hangest,'da antwortet der Kopf:'O du Königsjungfer, da du gangest,
wenn das deine Mutter wüßte,
ihr Herz tät' ihr zerspringen!'"Und so erzählte Kürdchen weiter, was auf der Gänsewiese geschähe und wie es da dem Hut im Winde nachlaufen müßte.
Der alte König befahl ihm, den nächsten Tag wieder hinauszutreiben, und er selbst, wie es Morgen war, setzte sich hinter das finstere Tor und hörte da, wie sie mit dem Haupt des Falada sprach. Und dann ging er ihr auch nach in das Feld und barg sich in einem Busch auf der Wiese. Da sah er nun bald mit seinen eigenen Augen, wie die Gänsemagd die Herde getrieben brachte und wie nach einer Weile sie sich setzte und ihre Haare losflocht, die strahlten von Glanz. Gleich sprach sie wieder:"Weh, weh, Windchen, faß Kürdchen sein Hütchen, und lass'n sich mit jagen, bis ich mich geflochten und geschnatzt und wieder aufgesatzt."

Da kam ein Windstoß und fuhr mit Kürdchens Hut weg, daß es weit zu laufen hatte, und die Magd kämmte und flocht ihre Locken still fort, welches der alte König alles beobachtete. Darauf ging er unbemerkt zurück, und als abends die Gänsemagd heimkam, rief er sie beiseite und fragte, warum sie dem allem so täte. "Das darf ich Euch nicht sagen und darf auch keinem Menschen mein Leid klagen, denn so hab' ich mich unter freiem Himmel verschworen, weil ich sonst um mein Leben gekommen wäre." Er drang in sie und ließ ihr keinen Frieden, aber er konnte nichts aus ihr herausbringen. Da sprach er: "Wenn du mir nichts sagen willst, so klag' dem Eisenofen da dein Leid," und ging fort. Da kroch sie in den Eisenofen, fing an zu jammern und zu weinen, schüttete ihr Herz aus und sprach: "Da sitze ich nun von aller Welt verlassen und bin doch eine Königstochter, und eine falsche Kammerjungfer hat mich mit Gewalt dahin gebracht, daß ich meine königlichen Kleider habe ablegen müssen, und hat meinen Platz bei meinem Bräutigam eingenommen, und ich muß als Gänsemagd gemeine Dienste tun. Wenn das meine Mutter wüßte, das Herz im Leib tät' ihr zerspringen." Der alte König stand aber außen an der Ofenröhre, lauerte ihr zu und hörte, was sie sprach. Da kam er wieder herein und ließ sie aus dem Ofen gehen. Da wurden ihr königliche Kleider angetan, und es schien ein Wunder, wie sie so schön war. Der alte König rief seinen Sohn und offenbarte ihm, daß er die falsche Braut hätte: die wäre bloß ein Kammermädchen, die wahre aber stände hier als gewesene Gänsemagd. Der junge König war herzensfroh, als er ihre Schönheit und Tugend erblickte, und ein großes Mahl wurde angestellt, zu dem alle Leute und guten Freunde gebeten wurden. Obenan saß der Bräutigam, die Königstochter zur einen Seite und die Kammerjungfer zur andern, aber die Kammerjungfer war verblendet und erkannte jene nicht mehr in dem glänzenden Schmuck. Als sie nun gegessen und getrunken hatten und guten Muts waren, gab der alte König der Kammerfrau ein Rätsel auf, was eine solche wert wäre, die den Herrn so und so betrogen hätte, erzählte damit den ganzen Verlauf und fragte: "Welchen Urteils ist diese würdig?" Da sprach die falsche Braut: "Die ist nichts Besseres wert, als daß sie splitternackt ausgezogen und in ein Faß gesteckt wird, das inwendig mit spitzen Nägeln beschlagen ist; und zwei weiße Pferde müssen vorgespannt werden, die sie Gasse auf Gasse ab zu Tode schleifen." - "Das bist du," sprach der alte König, "und hast dein eigen Urteil gefunden, und danach soll dir widerfahren." Und als das Urteil vollzogen war, vermählte sich der junge König mit seiner rechten Gemahlin, und beide beherrschten ihr Reich in Frieden und Seligkeit.

Ritter Dietrich im Reinhardswald Nordhessen